Ach und P.S.:

Veröffentlicht in P.S.: am 27. August 2010 von sph1nxxx

…der naechste, der “Scar Symmetry” einen schwachen Abklatsch von “Soilwork” schimpft, bekommt von mir auf die (notfalls virtuelle) Nuss!

Das Prinzip Hoffnungslosigkeit

Veröffentlicht in philosophisches, what else?! am 27. August 2010 von sph1nxxx

Erst kuerzlich unterhielt ich mich – mal wieder – zum Thema ‘Kinder in diese Welt setzen’. Meine Argumente zum Thema sind hinlaenglich bekannt (ein bunter Strauss Gruende, bestehend aus einem ordentlichen Schub “Klimawandel”, reichlich “Existensaengste” und eine Handvoll “Egoismus” mit punktuell gesetzten “wahnsinnige Welt”-Faehnchen), und ich will euch damit nicht langweilen, wenngleich es mir stets Spass macht, sie vorzubringen – die Fassungslosigkeit meiner Gespraechspartner, wenn ich mein Plaedoyer abgeschlossen habe, ist stets Gold wert.
Nicht lange nach diesem Gespraech sah ich wieder dieses Phaenomen, dass mich immer wieder auf’s Neue in all diesen Argumenten bestaetigt: Ein Porsche, der auf den Parkplatz eines Discounters rollt.
Das ist, je laenger ich darueber nachdenke umso deutlicher, jenes Killerargument, dass selbst dann noch gegen Vermehrung spricht, wenn man mir alle anderen Argumente mit massig Alkohol und stundenlangem zutexten aus dem Kopf gekloeppelt hat.

Wenn ich also bereit bin, den Klimawandel als “handhabbar”, meine Existenzaengste als “exklusives Luxusproblem”, die wahnsinnige Welt als “ganz weit weg” zu akzeptieren – bleibt dieser eine Punkt, der mir schlussendlich so oder so das Ende der Debatte und einen ‘Sieg’ mit wehenden Fahnen einspielt:
Auf gar keinen Fall moechte ich die volle, einzige und umfassende Verantwortung fuer Leben uebernehmen, die in einer Welt aufwachsen, in der Besitzer von 150.000,00 €-Autos in Geschaeften einkaufen, in denen Mitarbeiter teilweise 3,20€ (zuletzt bei kik so prozessiert) pro Stunde verdienen. Auf keinen Fall moechte ich der Gattung Mensch die Fortpflanzung unterstuetzen und weitere Existenz vorantreiben – meiner bescheidenen Meinung nach verdient diese Art Tier nicht den Platz in der Hierarchie der Tiere dieser Welt, den es einnimmt. Es mag ihn sich durch Staerke, Intelligenz und vor allem rasanter Evolution verdient angeeignet haben – aber moralisch und ethisch gehoert diese Gattung eher in die Sonne als auf die Erde.

Jaja schon klar – wer bis hierher gelesen hat wird mich nun fuer kleingeistig und neidisch halten. Vor allem aber wird er oder sie (insofern er oder sie anderer Meinung ist…) das Argument zu torpedieren trachten, indem es die geringe Auswirkung sowohl des Einkaufenden Geltungsbeduerftigen als auch mir extrovertiertem und mitteillungslastigem unterzujubeln versucht.

Natuerlich nervt mich nicht die simple Tatsache, dass ein gut situierter Mensch im Discounter einkauft – diese Situation zeigt aber auf einen Platz im Gewissen und im Gefuehlsspektrum der Menschen, der offenbart, dass dieser Erde gut gedient waere, wuerde der Mensch sich aus dem Genpool schlagartig und restlos entfernen. Nicht Hass, Niedertracht und Neid sind es, was die Menschen so klein macht – es ist der unbedingte Wunsch, sich auf Kosten anderer einen irgendwie gearteten, besseren Standpunkt zu verschaffen.
Meine Sicht auf diese Welt praedestiniert mich sicherlich nicht, hierueber objektiv zu urteilen. Daher ich bitte meine geneigte Leserschaft doch wenigstens darum: Macht euch mal selbst ein Bild. Beobachtet die Menschen und seht sie nicht nur an. Begreift die alltaeglichen Schlagzeilen, statt sie nur zu ueberfliegen und euch anschliessend weniger deprimierendem zuzuwenden. Seht den Menschen in die Seele, statt durch sie hindurch.
In regelmaessigen Abstaenden rastet ein Mensch an irgendeinem Ort der Welt aus. Je nach erblich bedingter Intelligenz, Empathie und den verfuegbaren Mitteln, kombiniert mit verfuegbarer Geduld kommen dann Menschen zu schaden– mal mehr, mal weniger. Oder Tiere. Oder die Erde wird ein weiteres Stueckchen geschaendet. Dieser niedere Ort in den Mensche ist es, den fortzupflanzen ich mich weigere. Alles an einem Menschen mag diesem Ort nicht entsprechen – und doch ist er da. Schlummert und wartet auf den grossen Tag.
Nein, es erscheint mir folgerichtig und ich betrachte es als Dienst an dieser Welt, dass die Menschheit sich mittelfristig von dieser Ebene der Existenz verabschiedet. Nicht zuletzt wegen fehlender Mittel, Motivation und Kraft ist dies mein einziger Beitrag dazu – aber auch und allem voran die Tatsache, dass ich um diesen Ort auch in mir weiss. Doch im krassen Gegensatz zu so reichlich vielen meiner Mitmenschen muendet dieses Wissen bei mir in die einzig folgerichtige Entscheidung – mir soll niemand folgen.

Wer weiss, vielleicht irre ich ja auch. Dann wird’s auch nicht schaden, wenn mein misanthropisches Genmaterial mit mir untergeht – moege mir eine bessere Welt folgen – auf die eine oder andere Weise.

Way to Wacken – ein postapokalyptischer Rückblick

Veröffentlicht in ...auf die Ohren, Uff Achse mit Tags am 18. August 2010 von sph1nxxx

Ein zarter Kuss im vorbeifliegen, dann ist sie zur Tür raus. Ein letzter Appell: “Pass auf Dich auf” – und natürlich: “und viel Spaß”

Mittwochmorgen, 6:15 – Der Countdown läuft. Kaffee ist aufgebrüht und schmeckt wie eine Henkersmahlzeit – das Aroma ist der mit Abstand betörenste Duft dem ich, für etwa eine Woche, erliege. Im Flur und im Arbeitszimmer türmen sich Taschen, Kunststoffsäcke und kleinere Kartons. Zelte, Schlafsäcke, obligatorische Sitzgelegenheiten und Reisetaschen. Ich gehe zum sicher hundertsten Male meine Checklisten durch. Zunächst im Kopf, zähle die Taschen, forsche in den Abstellkammern nach Übersehenem. Wenn ich hier etwas vergesse, gibt’s kein Zurück mehr – niemand warnt einen hier, dass muss intuitiv beim ersten Mal direkt sitzen.
Ich hole die Checklisten auf Papier zur Hilfe. Fein säuberlich unterteilt in “Unterkunft”, “Verpflegung”, “Kleidung”, “Hygiene” und “Medizin”. Auf diesem Stück Papier herrscht eine Ordnung und ein System, bei dem mir beim Gedanken an gänzlich unmöglichen “Zufall” flau im Magen wird. So funktioniert mein Hirn eigentlich nicht, hier obsiegt der kleine, verwundbare Junge in mir, der auf keinen Fall in der Pampa stehen möchte und dem dort einfällt, dass es sinnvoll gewesen wäre, Klopapier mitzunehmen – und das nur vergessen wurde, weil ich, wie gewöhnlich und fast alles, was ich beginne, den Einpackvorgang mit Spontanität und Zufall nährte.
Überall ein Häkchen dran, selbst beim Zusatzpunkt “Bier”, angesiedelt unter “Sonstiges”. Gefährlich, denn eben das ist zwar – natürlich – schon gekauft, aber noch nicht bei den abzutransportierenden Dingen sondern liegt bei +4°C im Kühlschrank und feiert eine Privatparty.
ich lerne über mich, dass ich lieber gut vorbereitet als unschön überrascht bin. Und ich lerne über mich, dass ich offenbar penibel bin, wenn ich Vorbereitungen treffe. Das sagt man ja über Männer im Allgemeinen – dass sie die Dinge, die sie anfangen, gar nicht oder gründlich zu Ende bringen.

In den letzten Monaten habe ich quasi meinen Hausstand verdoppelt. Ich kann nun theoretisch eine Weile in die Wüste ziehen und müsste nur auf wenig Komfort verzichten. Boots, BDU-Hosen, Regenklamotten, Zelt, Luftmatratze, Klappstuhl, Isomatte, Zeltleuchten, Schlafsack – fast alles jüngst erstanden um gewappnet und bestmöglich vorbereitet zu sein auf – einfach alles. Kaum ein Gedanke ist erschreckender als die Vorstellung, eines Morgens in einem Zelt aufzuwachen und festzustellen, dass man (lebens-)Notwendiges vergessen hat.

Geschwind’ nochmal aufs Klo – Numero dos, der Kaffee entfaltet seine volle Wirkung. Zwischen heute morgen und einem Zeitraum soweit in der Zukunft, dass er derzeit noch unrealistisch fern ist, liegen unangenehme Stunden voller Druck, Völlegefühl, generellem Unwohlsein. Das paart sich, soviel lässt sich absehen, mit fettigem Essen und natürlich dem Hauptnahrungsmittel: Bier. Ein vermutlich letztes mal Duschen für eine lange Zeit – obwohl ich mir der Bedeutung bewusst bin, beschäftigt sich mein Kopf nicht mit der wohltuenden Wirkung konstant warm fließenden Wassers, sondern ist ununterbrochen bei der Checkliste. Fehlt etwas? Ich gehe meinen Alltag nochmal durch, überfliege im Zeitraffer einige Wochen urbanen Lebens. Es fehlt nichts. Ich bin augenscheinlich gut vorbereitet.

Abmarsch. Planänderungen werden heute nicht mehr diskutiert sondern durchgeführt, sie behindern den Prozess nicht. 8 Personen lümmeln teils in meiner Wohnung, teils auf dem Parkplatz hinterm Haus rum, während ich versuche, dem Viehtransport (geliehener VW-Bus aus der Kategorie “ich war schon in Woodstock – ihr Noobs”) musikalisch unter die Arme zu greifen indem ich sie wild auf diverse Medien kopiere. Der Anblick aus meinem Küchenfenster ist wirklich nicht mit Gold aufzuwiegen. 8 Schwermetaller, ungefähr 50 Taschen, Tüten, Kartons – das macht sicher einen erheiternden Eindruck auf meine Nachbarn ;)
Kurzer Abstecher zu Getränke Hoffmann, alle noch so winzigen Lücken im Muli (mein Nissan) und dem Viehtransport  mit Bier zuschmeißen, dann geht’s schon auf die Autobahn – hinter mir die Zivilisation, vor mir zunächst Sonne, Sonne und noch mehr Sonne – und ein kleines bisschen Euphorie macht sich breit. Es ist ‘ne entspannte Fahrt, in Hamburg wird noch Grillfleisch addiert und wenige Kilometer hinter Hamburg sammeln wir noch weitere Mit-Camper aus dem fernen Kleve ein, und Schwupps sind wir schon auf dem Campground K.
Noch während des Einparkmanövers – was natürlich auch nicht “wild und unkoordiniert” geschieht sondern ganz bestimmten Regeln und Gesetzen folgt, denen ich mich bemüht anzupassen versuche – springen meine Leute wie ne Horde Teenager beim Ed-Hardy-Ausverkauf aus dem Van und werfen in hohem Bogen Schlafsäcke und Zelttaschen quer über’s Grün, um unser “Gebiet zu markieren”. Als, dank kompetenter Unterstützung der Profis (die bitter nötig ist, denn wie es scheint, habe ich ein nicht unbedingt geringes Defizit im Bereich ‘Campen’ und einfach allem, was damit zusammenhängt – inkl. dem simplen Aufbau eines simplen Zeltes), alles aufgebaut ist beginnt der gemütliche Teil des Wochenendes auch für mich – rumlümmeln und ein Bierchen zischen, wo fast alle schon einigen Vorsprung haben.
Ab hier verschwimmen meine Erinnerungen für diesen ersten Tag etwas. Ich weiß noch von Grillen, Platzregen (so genannte “Wackenwolke”), Bändchen abholen und reichlich Bier – nicht wenig davon in strömendem Regen im Biergarten. Mein Erster Schritt aufs “Holy Wacken Land” ist demnach historisch nicht belegbar – sei’s drum. Am nächsten morgen werde ich das begehrte Bändchen erkennen und die Gelegenheit haben, mich neu einzukleiden, damit meine Klamotten trocknen können. Das sind gute Nachrichten, und sie lassen mich ausgelassen feiern ;)

Der Donnerstag startet munter – mein Kater ist störrisch, aber ich bin auch nicht sehr gastfreundlich. Kurz nach dem Frühstück (welches offenbar Wackentypisch aus Keksen, Waffeln und Nutellatoast besteht) einigen wir uns auf eine vorübergehende Waffenruhe. Der Tag startet also mit dem – scheinbar je Wackenwochende obligatorischen – Catwalk durch das Dorf Wacken. Einmal Schaulaufen bis zum Edeka am andern Ende des Örtchens – Fleischreserven-Upgrade und es gibt Ficken zu kaufen – das führt bei den Einkaufenden zu maximaler Erheiterung als es eingebongt wird und zu minimaler Gesichtsentgleisung bei der Kassiererin. Ich weiß nicht recht, wieso ich den schlussendlich in die Hand gedrückt bekomme – offenbar habe ich einen Ruf als Vernichter seltsamer Getränke zu verteidigen :D
Im Laufe des Wochenendes werden sich so ungefähr 4.000 – mehr oder weniger kreative und mehr oder weniger abgedroschene – Spruchkonstruktionen um den Drink, dessen Einnahmeoptionen und natürlich die Möglichkeit, auf den Drink angesprochen und/oder eingeladen zu werden, finden. Großes Kino in einer kleinen Welt.

Vorm neuerlichen Run auf die Festival-Site gibt’s noch stark erhitztes, totes Tier und wie gewöhnlich reichlich Bier.
Meine Wacken-Historie und Wacken 2010 für mich beginnt also im Grunde bei Svartsot auf der Wackinger Stage – einer von drei Acts, die ich gar nicht kenne aber aufgrund der musikalischen Spartenzugehörigkeit (grobe Richtung Pagan) auf meiner “running order” hatte. Sie sind auch direkt mal das erste Highlight, denn die Musik is eingängig und passt wie die Faust aufs Auge auf die Wackinger-Stage.
Ich fühle mich wohl, die zuvor unangenehm wirkende Masse Menschen (ungefähr 250.000.000 Menschen sind auf dem Festivalgelände wird man Sauerland hinterher schätzen hören) gewinnt vor der Bühne der Wackinger Stage eine romantische Form von Familienbildnis – tausende wippender Köpfe und regelmäßig erhobene ‘Horns’ – ja doch, so könnt’ ich’s ne Weile aushalten.
Nach Svartsot geht’s erstmal zum Shopping. Nach ungefähr 2 kompletten Durchgängen im Metalmarkt findet sich, zur sichtlichen Erleichterung meiner Mitshoppenden, endlich ein Dark Tranquillity-Zipper als Ersatz für das komplett nasse Manticora-Edelstück. Der Metalmarkt ist reichlich groß – aber wenn man nicht grad Größe XL (Default!) hat, gibt’s an sich kaum was zu holen – so ist’s für jemanden meiner Statur in der Tat eher mühsam, Brauchbares (und überdies nicht zweitklassiges oder notgedrungenes) zu finden.
Anschließend düsen wir mehr oder weniger geordnet zu Iron Maiden – ich mach’s mir mit einigen andern draußen vor einer Videoleinwand gemütlich und wir genießen die entspannte Beinfreiheit auf der Wiese während im Infield gefühlte 500.000.000 Menschen versuchen, einen Blick auf die Altrocker zu werfen. Maiden war okay, auch wenn sie für meinen Geschmack – wie ja vorher angekündigt und daher zu befürchten war – zu wenig Klassiker gebracht haben. Ausgerechnet die vorgestellte Dekade ist leider nicht so mein Fall. Aber die Stimmung war gut und bei “Fear of the dark” gibt’s das erste mal Gänsehaut am Wochenende ;)
Abends das gewohnte Bild – maximale Druckbetankung, 2,0 im Turm sind konstantes und erwartetes Mindestmaß.

Freitag is da schon stressiger – aber mich verschont der Kater, worüber ich nicht unglücklich bin. Amorphis – oder vielmehr die früh aufgestandenen Fans in diesem Fall – sorgen mit “House of sleep” für die zweite Welle Gänsehaut – das Konzert ist allgemein eines der echten Highlights an dem Wochenende. Mir fehlt sicher etwas die Objektivität, aber Amorphis sind einfach mal ne Hammer-Liveband. Wir haben zudem maximales Glück mit dem Wetter – es ist sonnig, trocken und warm und während eines beachtlichen Zeitraums des Konzerts schiebt sich eine friedliche Wolke vor die Sonne und verhindert so den alkoholgeförderten Kollaps.
Astral Doors beweisen im Anschluss, dass selbst gestandene Musiker nur so gut sind, wie die “Profis” am Mischpult. Das Konzert ist leider hoffnungslos zu laut für das kleine W.E.T.-Zelt. Von draußen ist es erträglicher, aber es nimmt dem ganzen natürlich schon etwas die Magie, wenn man zu “Time to Rock” nur von draußen mitwippen und –grölen kann.
Ich nutze die folgende Pause für meinen ersten Wiki-Burger ever – der haut mich zwar nicht vom Hocker, ist aber durchaus gangbares Futtermittel und eindeutig “Heavy Metal” – und er besteht zur Hälfte aus saugfähigem Weißbrot – ausgesprochen wichtig für die weitere Bieraufnahme ;o)
Der nächste nennenswerte Act ist Kamelot. Die sind einfach zu cool. Sie spielen live mit einer Sängerin und haben perfekt abgestimmtes Bühnenszenario. Sehr oldschool, mit Flammen und einstudiert wirkenden Laufwegen bei den Soli. Musikalisch aber indiskutabel – Kamelot sind nicht zu unrecht ganz oben in der Hierarchie der Power-Metal-Bands gelistet.
Das Hetzen zur letzten Instanz spare ich mir, im Nachhinein höre ich, dass ohnehin kein Zugang mehr zu finden war und die letzte Instanz überdies schlecht performt haben und schlecht geklungen haben soll.
Bedauerlicherweise habe ich aber auch den dann folgenden Burner Arch Enemy nicht mitbekommen. Ich hatte kurz zuvor noch ein Horn im Markt erstanden, konnte das aber mangels funktionierender Schließfächer nicht mehr einbunkern. Also haben sich meine Leute solidarisiert und wir haben es uns weit draußen vor den Eingängen gemütlich gemacht – dort wurden wir leider von der Seite mit Mambo Kurt und dessen Faxen oder irgendeiner Karaoke beschallt. Sehr ärgerlich, auf Arch Enemy hatte ich mich sehr gefreut. Soweit man sehen konnte waren die Massen vor der Bühne jedenfalls begeistert – wie zu erwarten war.
Den Rückweg zur Wackinger-Stage hätten wir uns sparen können – Equilibriums Jünger haben die Bühne und vor allem den Zuschauerbereich vor der Bühne, und damit den gesamten Mittelaltermarkt, überschwemmt. Zwischenzeitlich haben die Jungs zudem ihren Auftritt unterbrochen – ob aus Gründen der Sicherheit und Wiederherstellung der Ordnung oder der Technik ist etwas unklar. So oder so: Wir kamen mit vernünftigem Aufwand nicht mehr aufs Gelände und sind demnach recht verdrossen zum Campground zurück.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Zustände und Verhältnisse an der Wackinger Stage generell skandalös waren – aber das wird derzeit in der “Wacken Community” bis ins kleinste Detail ausdiskutiert, da will ich nun gar groß weiter drauf eingehen. Resümierend kann man aber festhalten, dass die Bühne zu klein und zu niedrig, das Feld davor unterdimensioniert und die Bands teilweise einfach zu groß waren.
Es folgt also die übliche Betankung, diesmal mach ich das Stil-echt mit Ficken und Met :D

Am Sonnabend bin ich wieder früh los, Nightmare waren zu Besuch im W.E.T. Die Show war richtig Klasse, Nightmare sind einfach lässig. Ein “Holy Diver”-Cover gibt überdies Gelegenheit, noch einmal in sich zu gehen und einem der Großväter des Rock weiteren Tribut zu zollen. Auch Nightmare erhalten trotz fehlenden Publikums ‘standing horns’ – nach einem ausgezeichneten Auftritt auch zurecht.
Ich versuche mein Glück beim zweiten von drei Blindflügen: Caliban. Angeblich Metalcore und angesichts der Masse an Shirts, die man auf dem Wacken so gesehen hat, eine mit einem großen Fanaufgebot.
Ich muss denen leider allen unterstellen, dass sie an Geschmacksverirrung leiden oder blind dem Gepose einer Luschenband folgen. Caliban hatten zwar zunächst Pech mit dem Sound (zuviel Bass, maßlos übersteuert, im Grunde nicht-existente Gitarren etc.), aber viel schlimmer wiegt, dass der Sänger einfach ma nicht shouten kann. Das war so etwa das schlechteste, was ich jemals jemanden in ein Mikrofon habe Quäken hören. Caliban sind nach dieser peinlichen Vorstellung definitiv von meiner “muss ich mal reinhoeren”-Liste gestrichen. Zumal die gesamte Band, das Bühnenbild und allgemein das Bild, das man von Caliban verkauft bekommt, dem Versuch gleicht, mit maximaler Blendung zu überzeugen. Angesichts der Qualitäten des Sängers ist das aber auch logisch. Derbe Enttäuschung jedenfalls, da hört man auf Berliner Band-Contests besseren Metalcore. Auf Degradead warten wir dann auch nicht mehr und lümmeln zurück ins Camp. 15, 20 Minuten harter Marsch bei Mittagssonne und etwa 30°C in der Sonne – die Entscheidung fällt uns nicht leicht ;)
Zum dritten “unbekannten” Act Metsatöll geht’s wieder auf das Festivalgelände zurück – estnischer Pagan, das klingt interessant. Musikalisch einwandfrei und ein wirklich guter Act. CDs sind quasi schon bestellt ;)
W.A.S.P. hören wir uns fünf Minuten an und gehen dann enttäuscht – wirklich interessant wird das Konzert nach Studium der Setlist auch erst zum Schluss – soviel Durchhaltevermögen hätten wir angesichts einer miesen Show und miesen Sounds eh nicht bewiesen. Stratovarius liegt leider im zeitlichen Clinch mit Týr. Also machen wir es uns frühzeitig vor der Wackinger Stage gemütlich, wohl wissend, dass wir, wenn wir “pünktlich” kommen, eh nicht mehr aufs Gelände kommen. Das Konzert ist für mich auch so lala. Nette Setlist, aber insgesamt zu voll und ne bescheidene Bühne. So habe ich quasi die gesamte Stunde auf die Scheinwerfer am oberen Ende der Bühne gelinst. Headbangen mit kurzen Haaren is auch so superspannend nicht, also blieb nur friedliches lauschen. Nunja ;)
Wir lauschen noch ein wenig Edguy aus der Ferne, dann geht’s wieder aufs Infield, Robert Lowe dabei zuschauen, wie er breit über die Bühne wankt. Wir glauben ja, die gesamte Band war höllisch breit. Sehr lustig dennoch – und ein schön doomiges Konzert. Mein Überlebensinstinkt hält mich davon ab, Wacken 2010 mit Tiamat zu beenden – Candlemass sind definitiv genug Emo für ein Jahr.

Musikalisch endet mein Wacken nach 9 Konzerten in Festivallänge – das ist, wenn man sich so umhört, ein ganz ordentlicher Mittelwert.

Ein Resümee zu ziehen fällt mir relativ leicht, ich hab’ mich dazu entschlossen es als Widmung für meine Mitfeiernden zu tun:
Liebe Wackenmitfeiernden, danke für:

> Ein durch und durch progressives Wacken
> Reichlich Alkohol
> eine gesunde 80%-Quote “kacken” als zentrales Gesprächsthema am langen WE
> solidarisches draußen bleiben bei Arch Enemy
> solidarisches Mitten-In-Der-Nacht-Zu-Nightmare-Und-Amorphis-Mitkommen
> solidarisches Mitlaufen über den Metalmarkt – auch wenn ich weiß, dass ihr das nur gemacht habt, weil ihr den Met so geil fandet ^^
> IMBA-Raviolidosen
> Nutellatoast
> Ficken!

X-Mas-Ticket für 20102011 ist schon bestellt und ich wär schwer begeistert, wenn sich diese Truppe wiederträfe.

In diesem Sinne – \../,

Auf’m Wackööööööön 2010 [2]

Veröffentlicht in ...auf die Ohren, Uff Achse mit Tags am 10. August 2010 von sph1nxxx

Einige (leider nur wenige) Impressionen von Wacken 201o – iwie fehlt mir noch die Souveraenitaet im Umgang mit der Cam:

Flog so ungefaehr 10 Meter ueber der Menge - sehr zum Missfallen der Secus ^^

Auf’m Wackööööööön 2010

Veröffentlicht in Uff Achse mit Tags am 9. August 2010 von sph1nxxx

Freitag, ungefaehr 12:15 muss es gewesen sein. So etwa 15.000 Stimmen vor der True Metal Stage stehlen einem grossartigen Tomi Joutsen die Show und intonieren “House of Sleep” fast im Alleingang – Gaensehautfeeling pur. Tomi bedankt sich mit einem “must be the most beautiful voice in the world” – und hat damit wohl recht.
Fuer mich persoenlich der schoenste Moment auf Wacken 2010, allgemein waren Amorphis das beste Einzelkonzert auf Wacken. Beeindruckend waren definitiv auch Svartsot und Metsatoell, zwei Bands die ich zuvor gar nicht kannte und direkt ins Herz geschlossen habe.
Nightmare, Candlemass, Kamelot gehoerten ausserdem zu meinen persoenlichen Highlights. Hier stimmte einfach alles – Soundmischung, Buehnenblick, Licht, Show (Candlemass wurde ergaenzt durch einen total breiten Robert Lowe, der bis auf wenige Versinger dennoch eine coole Show bot und einfach toll zu Candlemass passt).

Arch Enemy hab ich weitgehend leider nicht gehoert (Securitylevel und Kirmesbuden sei Dank – hatte zuvor noch ein Horn gekauft und durfte damit nicht aufs Infield, einschliessen konnte ichs Mangels funktionierender Schliessfaecher aber auch nicht – und von draussen waren die wegen Kirmesbudengedudel eigentlich nicht zu hoeren), Astral Doors auch eher nebenbei gehoert (viel zu laut abgemischt, wir mussten das W.E.T.-Zelt verlassen und von draussen zuhoeren – dort quaekte aber die Blackstage dazwischen die rechts vom Zelt stand), zu Equilibrium kamen wir nichtmal mehr vor die Buehne weil’s zu voll war.
Gnadenlos enttaeuscht bin ich von Caliban (zuviel Bass und grottenschlechter Livegesang – so jemand waer bei Arch Enemy schon laengst gekickt worden ^^), W.A.S.P. (schlecht gemischt, schlecht performt), Tyr (falsche  Buehne, staendig nur am Draengeln gegen die 2m-Brocken die sich sowas normalerweise anhoeren) und den Apokalypsischen Reitern, deren Show mich so ueberhaupt nicht ueberzeugt – musikalisch sind die eh nich meins, aber man sagte mir, ich muesse die sehen, die sind live toll. Nunja, ich hab mich schon besser amuesiert.

Headliner Iron Maiden waren okay, allerdings war mir das Gelaber um das neue Album und Dickinsons Wunsch, es auf 1 in den Billboards zu pushen, zu nervig. Ausserdem liefen fuer ein Festival eindeutig zu wenig Klassiker – das haben andere Bands deutlich besser gebacken bekommen (Nightmare sogar mit einem Dio-Tribut “Holy Diver”, auffaellig gut war hier Amorphis eingestellt). Aber musikalisch geht da halt nix dran vorbei, Maiden ist halt Maiden.

Ansonsten sind alle worst-case-Szenarien ausgeblieben, Wetter war richtig toll, Stimmung am Campground auch, aufm Infield manchmal n bissl viel Gedraengel, aber man konnte sich eigentlich ueberall so seine Nischen suchen. An- und Abfahrt reibungslos, Futter absolut im Rahmen, Bier teuer und reichlich. shoppen geht eigentlich nur wenn man XL traegt oder n Gierlie is, ansonsten is die Auswahl eher mau. Bullhead kann mir gestohlen bleiben, zieht nur merkwuerdiges Publikum an und ist ungefaehr so attraktiv wie der Bierschiss am Morgen.
Hinzu kamen kleinere Aergernisse (grabbelwuetige und total inkonsequente Security, “defekte” Schliessfaecher uebers komplette WE, Pfandsammler die echt alles mitnehmen was nicht angebunden is) aber auch viel Bemuehung (reichlich Getraenkebuden, trotz grosser Hitze musste man nie laenger als fuenf Minuten fuer ein Getraenk anstehen).

So war also mein erstes Wacken im Jahre 2k10. Erste Bands fuer 2011 sind bestaetigt (Blind Guardian u.m.) – habe noch ein X-MAS-Ticket ergattern koennen. Dann kann ich endlich auch diese “frueher war alles {besser/anders/trver}-Vergleiche ziehen ;o)

Bis dahin: \../,

Duisburg und kein Ende :/

Veröffentlicht in gesellschaftliches, what else?! mit Tags am 29. Juli 2010 von sph1nxxx

1.400.000 Menschen. Sagt man. Alle auf einem Fleck, auf den, grosszuegig geschaetzt, 500.000 Menschen Platz finden koennen und der, Geruechten zufolge, fuer 250.000 Menschen zwecks Grossveranstaltung als Veranstaltungsort von offizieller Seite geprueft, genehmigt, abgenommen wurde.
1.400.000 junge Menschen aus einer Kultur, der, wohl nicht vollends zu Unrecht, nachgesagt wird, sie sei Drogen im allgemeinen und “Aufputschmitteln” im Besonderen gegenueber aufgeschlossen, mindestens jedoch nicht gaenzlich abgeneigt. Toericht anzunehmen, dass eben jene Menschen beim Event des Jahres ausnahmsweise gar nichts zur Unterstuetzung der Standhaftigkeit, der Feierlaune, des “Vibes” einwerfen. Ergo ist das worst-case-Szenario, dass wir von 1.400.000 zugedroehnten, nicht mehr vollends unter eigener Kontrolle stehenden Menschen reden.
1.400.000 Menschen, von denen ein beachtlicher Anteil von, so sagt man, 150 vom Veranstalter gestellten Ordnern in einem engen Tunnel reguliert und sortiert werden sollte.
Vorne Ordner, hinten Polizei – kein Vor, kein Zurueck. Vorne ist das Gelaende voll, Paradewagen fahren zu dicht am Tunnel entlang, die so entstehende Gegenbewegung drueckt wellenartig gegen die aus dem Tunnel stroemenden Menschenmassen. Die Ordner beschliessen, den Zugang zum Gelaende abzuwuergen – ein im Grunde guter Gedanke wird zum fatalen Fehler, wenn hinten von der Polizei weiter Menschen in den Tunnel geschoben werden.
Viehtransporte muessen im Buerokratenmoloch Deutschland die haertesten Bedingungen Europaweit erfuellen und sicher 200 Genehmigungen von unterschiedlichsten Behoerden einholen – unkontrollierbaren Menschenmassen mit betrunkenen, angeheiterten, zugedroehnten (und natuerlich auch nuechternen), aber vor allem ausgelassenen, flippigen und bewegungsorientierten Menschen traut man zu, sich selbst zu regulieren.

Nun suchen alle “den Schuldigen”. Schwachsinn. Alle haben Schuld.

Die Politik, die sich vom Veranstalter auf der Nase herumtanzen und unter Druck setzen laesst, daraus resultierend Fehlentscheidungen trifft und sich mit Vorjahrespeinlichkeiten in Nachbarstaedten um keinen Preis vergleichen lassen moechte. Hinzu kommt das Projekt “ruhr.2010”, in dem die Loveparade zwar nicht offiziell als Bestandteil gefuehrt wird, deren Prominenz man aber gerne und einvernehmlich verwendet, um das Kulturprojekt ins Gespraech zu bringen.

Die Veranstalter, die eben jenen Druck auf die Politik ausueben, die aus Profitgier mit unrealistischen Zahlen hantieren und damit offenbar fahrlaessig das Leben der Besucher riskieren – jeder objektive Beobachter weiss, dass 250.000 Menschen unrealistisch sind, selbst 500.000 waren nicht sehr gut geschaetzt.

Polizei und Feuerwehr, weil sie ihre Hoheit und Erfahrung nicht so positionieren, wie es noetig waere, um ihrem Auftrag, die Menschen zu beschuetzen, angemessen waere. Stattdessen lassen sie sich von Politik und Eventmanagement abwimmeln und lehnen sich zurueck und aus der Verantwortung heraus.

Und last but not least natuerlich die Menschen im Tunnel, die anfangen, klaustrophobisch um sich zu schlagen und damit Wellenbewegungen erzeugen, die am Ende von tausenden sich rhythmisch zu Baessen bewegenden Koerpern dazu fuehren, dass andere Menschen gegen Waende gedrueckt und erstickt werden. Achtlos wird ueber hingefallene Koerper weggestiegen, jeder ist sich selbst der naechste, jeder hat Angst um sein Leben und Wohlergehen. Ueber 500 Menschen haetten gut daran getan, die Ellenbogen noch weiter auszufahren, 21 Menschen (so far…) haette wohl eher eine beachtliche Bewaffnung noch helfen koennen.

Duisburg sucht Schuldige und weiss im Grunde, dass an so einer Tragoedie niemand unschuldig ist, der mittelbar beteiligt ist. 1.400.000 Menschen an einem Fleck sind unmoeglich zu kontrollieren. Wer das nicht versteht und glaubt, er koennte am Ende alle Schuld einem Politiker oder einem vermeintlich profitorientierten Privatmenschen in die Schuhe schieben, der macht es sich zu leicht.

Natuerlich ist eine rasche Aufklaerung sinnvoll und zwangslaeufig. Aber sie wird weder die 21 Menschen zurueckholen noch wird sich anschliessend irgendjemand besser fuehlen, wenn ein Politiker zuruecktritt, ein Beamter eine Abmahnung bekommt oder ein Veranstalter womoeglich strafrechtliche Konsequenzen befuerchten muss. Die Rufe nach Sanktionen sind meiner bescheidenen Meinung nach unnoetig laut. “Wut und Zorn” sollen herrschen in Duisburgs Strassen, an des Ruhrpotts reichlichen Stammtischen. Ich denke, Trauer und Besonnenheit waeren angemessen. Nicht etwa ein “Veranstaltungs-TUeV”, wie er von der Gewerkschaft der Polizei gefordert wird. Deutschland ist buerokratisch genug. Wichtig waere eher, diesem kapitalistischen, marktwirtschaftlich in Deutschland aber unumgaenglichen Zwang nicht folgen zu muessen, ueber offensichtliche Risiken hinweg Menschenleben zu riskieren.

Und schlussendlich muessen wir uns ausserdem die Frage stellen, wieviel mehr wohl haette passieren koennen, wenn die Veranstaltung in einem Land wie Spanien oder Italien auf diese dilettantische Weise durchgefuehrt worden waere. Die Sicherheitsauflagen an vermutlich jedem anderen Ort der Welt waeren weit geringer gewesen – die Verluste entsprechend weit hoeher. Das soll nicht verteidigen wie vorgegangen wurde – das soll nur verdeutlichen, dass man derartige Katastrophen nicht wegregulieren kann. Man kann die Risiken minimieren und auch wenn das derzeit niemand hoeren moechte: Sieht man von offenbaren Fehleinschaetzungen im Vorfeld und Fehlentscheidungen vor Ort ab, war das Krisenmanagement in dem Verhaeltnis zur Situation in Ordnung. Sieht jedenfalls von aussen derzeit so aus. Es gibt sicher weiter jeden Tag spannendes Material zur endgueltigen Aufklaerung aller Details.

Dennoch waere mir insbesondere in Deutschlands Medienlandschaft ein wenig mehr Besonnenheit ganz recht. Dieses Aufhetzen was derzeit laeuft, in direkter Verbindung mit den Streicheleinheiten fuer die jeweils fuer einen Augenblick aus der Schusslinie geratenen Beteiligten ist mir zu billig. Da waere wie ueberhaupt in dem gesamten Thema ein wenig mehr professionalitaet wuenschenswert.

/Edith sagt ich solle dies ergaenzen (1):

Nicht 1.400.000 sollen dagewesen sein, sondern 300.000. Schaetzt die Polizei. Allerdings schaetzt die offenbar auch, dass auf den vergangenen (Dortmund etc) auch alle Besucherzahlen mit vier multipliziert wurden und so verbreitet wurden. Wieso, warum – naja, naheliegenderweise um dem Event mehr Gewicht in der Aussendarstellung zu verleihen. In Berlin waren’s ja tatsaechlich mal Millionen…
Wenn – falls – diese neuen Zahlen korrekt sind, taucht es das Konzept in ein etwas anderes Licht. Fuer 300.000 waren sowohl der Platz als auch die Genehmigung der Stadt ausreichend.
Bleibt abzuwarten, was sich noch an spannenden Enthuellungen zum Thema findet. Womoeglich ist Herr Schaller gar kein Unternehmer sondern ein Alien, gefangen im Koerper eines Unternehmers o_O

Sommerloch-Quickie

Veröffentlicht in politisches, what else?! am 19. Juli 2010 von sph1nxxx

Ich koennt’ mich ja wegschmeissen.
Ganz Deutschland debattiert seit Stunden nur noch und ausschliesslich ueber den Hamburger Sommerloch-Quickie.

Der Norden des Landes hat derzeit alles, was man fuer eine saftige Seifenoper braucht. Neid und Missgunst, weil Ole von Beust kurz vor’m vermeintlich epochalen Crescendo seines Mammutprojekts “Schulreform in Hamburg” seine geschwinde absaufenden Felle links liegen laesst und sich die Sylter Sonne auf den Bauch scheinen laesst – ein Schelm, wer mutmasst, dass der Ausgang des Entscheids schon haette geschaetzt werden koennen.
Die sueddeutsche (u.a.) kanoniert derweil alle fuenf Minuten unter neuem Titel den Wahlausgang des Volksentscheids zum Thema “Verlaengerung der Grundschulpflicht von 4 auf 6 Jahre” in gelblich-braunen Lettern an die virtuellen Fassaden des Nachrichtenkarussels – was waere Deutschland ohne eine alltaegliche Debatte um Migranten, soziale Ungerechtigkeit und ueberhaupt und generell dem Klassenkampf angesichts der immer offenbarerer werdenden Unwahrscheinlichkeit der Genesung des Wirtschaftskreislaufs der Welt im Allgemeinen und Deutschlands im besonderen?
Natuerlich darf die boese Schwiegermutter von irgendwem nicht fehlen, nach dem ‘zigsten’ Abgang eines Mannes im Orchester von Angela Merkel ist die Hexe schnell ausgemacht und wer auch immer den Schafrichter mimen moechte, wird sicher alsbald die Gelegenheit nutzen, ihr den entscheidenen Todesstoss zu versetzen. Bedauerlich nur, dass in den Reihen der SPD leider ueberhaupt kein Mensch mehr Eier hat – da wird’s wohl bei den linken haengen bleiben, und damit qua Grundsatz ebenso schnell wieder verpuffen wie’s kommen wird.
Fuer die Rolle der Chef-Intrigantin hatte nebenbei bemerkt natuerlich auch die, sich im Trubel um Hamburger A-Sozialgeschichten und brennende franzoesische Vorstaedte recht kleinlaut durchschlawinern wollende, Familienministerin K. Scroeder vorgesprochen – das Stichwort Elterngeld ist kaum drei Jahre alt und kann es an sozialer Schieflage zwischenzeitlich wohl dennoch schon mit allem aufnehmen, was mir in den letzten 20 Jahren Politikverdrossenheit untergekommen ist.
Einige, teils schon angesprochene Aussenszenen wurden auch gedreht, andere konnte man, den Steuerzahler wuerd’s freuen, wenn’s ihn tangieren wuerde, in heimischen Gefilden drehen.
Last but not least haben wir den umtriebigen und geschaeftigen, kaltbluetigen und blasshaeutigen Mittelklasse-Boesewicht, der in derartigen Opern immer zugegen ist, wenn irgendwo ein Leuchten die Buehne verlaesst.

Ich find’s schade um Ole van Beust, er wird Hamburg fehlen – und der CDU gleichfalls. Aber sind wir mal ehrlich: Elbphilarmonie, HSH Nordbank und eben das inzwischen nicht mehr soooo erfolgreiche Unterfangen “Hamburger Schulreform” (selbst wenn die Stadtteilschulen kommen, sie starten denkbar schlecht mit dieser Volksabstimmung…) – alles nicht eben Zeugen einer ausschliesslich erfolgreichen Karriere in Deutschlands ehemaliger Rotlichtmetropole. Das war’s dann auch gleichzeitig mit Schwarz-Gruen in HH – ich wage mich mal weit aus dem Fenster, dass das Signalwirkung haben wird fuer etwaige Verhandlungen 2013…

Schoen waer gewesen, wenn die Diskussionen um die Schulen in Hamburg sachlich gefuehrt worden waeren. Man haette hier einen Praezedenzfall schaffen koennen, der beweist, dass den Deutschen im Allgemein und den Oberklassedeutschen im ganz Besonderen beim Thema “Schule” vor allem eins am Herzen liegt: Ihre Kinder und die Art und Weise, wie diese gestaerkt, optimal vorbereitet und vor allem souveraen aus der Schule in die folgenden Lebensabschnitte kommen.
So hat man im Nachgang leider den Eindruck, dass vor allem mit Parolen und Stammtischreden argumentiert wurde. Ja, die Sorgen moegen teilweise berechtigt sein, und ja, womoeglich kann und muss man zugestehen, dass Eltern den Fokus auf die eigenen Kinder legen muessen und vllt kann man argumentieren, dass das hier geschehen ist. Aber ich habe doch meine ernsten Zweifel, ob hier jeder Abstimmende wirklich alle Argumente hat gelten lassen. Ich selbst war auf einer Gesamtschule mit sechs Jahren vorheriger Grundschule – ich bilde mir insofern ein, das System zu kennen.

Vllt ist meine Vision der totaliteren Demokratie doch schon gescheitert – Deutschland scheint mir noch nicht reif genug zu sein, in den wesentlichen Dingen fuer sich selbst entscheiden zu koennen. So geschehen 2009 bei der Bundestagswahl, von dessen Ergebnis absehbarerweise bis heute nur die Top-5%-Verdiener der Bevoelkerung begeistert ist und so geschehen jetzt am Wochenende zum Thema Schulreform in Deutschland.
Aber auch dort galt immerhin: Wer seine Stimme abgibt, hat nix mehr zu sagen.

Gut’s Naechtle

Damit rechnen wir nicht

Veröffentlicht in philosophisches, what else?! am 16. Juli 2010 von sph1nxxx

1&1, Servicesumpf, Technikwueste und Dauergast bei Heise in der Rubrik “Vorsicht, Kunde” wirbt zuletzt mit ihrem Kundenbetreuer Marcel D’Avis und dessen harter Hand in der offenbar angeschlagenen Kundenbetreuung vom Internetserviceprovider. Das begann relativ schonungslos mit der Offenbarung, man haette in der Vergangenheit einiges falsch gemacht und werde das nun aendern.

Dieser verbale Strip muss so grandios eingeschlagen haben, dass die sich vor neuen Vertraegen nicht mehr retten koennen, anders kann ich mir den neuen Spot von denen einfach nicht erklaeren.

Der Kerl aus den Spots stellt sich galant auf ne Treppe und wedelt mit einem angeblichen Haufen ausgedruckter Mails von Kunden. Er kommentiert das mit folgendem – und ich muss euch bitten, aufmerksam zu lesen, was bei den Aufnahmen und im TV nur allzuoft ueberhoert zu werden scheint:

“Hallo. Das sind die Mails, die mein Team und ich täglich bekommen. Mit guten Ideen, Wuenschen und Erwartungen. Aber niemand erwartet das, was ich Ihnen jetzt zeige…”

Im Anschluss driften die Mails in ihr vermutlich alltaegliches Schicksal (aus dem Blick…) und er wedelt mit auffaellig zu klobig geratenen “schlauen Polster (hoffentlich knallts da noch namenstechnisch…)” rum und meint, das waer’s, auf was die Welt kuenftig nicht mehr verzichten kann.
Blenden wir aber noch einmal zurueck:

“…taeglich bekommen…” – der gute Mann ist laut Spot der “Leiter Kundenzufriedenheit”. Das ist im besten Fall wohl leicht geschoent – ich bekomme mehr Kundenmails, und verzapf weniger Unsinn als die Leute bei 1&1 o_0

”…Ideen, Wuenschen und Erwartungen…” – Ja doch, die Erfahrung habe zuletzt ich bei Versatel und in noch juengerer Vergangenheit ein Arbeitskollege bei Vodafone gemacht: Wer vom First Level verscheissert wird, wird selbst auf Nachfrage und unter Androhung von physischer Gewalt nicht mehr zum Vorgesetzten durchgestellt. Ich muss mir unbedingt das naechste mal die Namen der Leute aufschreiben, mit denen ich’s zu tun hatte – dann kann ich die wenigstens guten Gewissens als Begruendung auf meine Kuendigung schreiben. Anyway. So landen also auch bei 1&1 nur halbwegs zufriedene Kunden in der Kundenbetreuung die ins Fernsehen darf – eben jene, die im Grunde alles toll finden und darueber hinaus den netten Leuten von 1&1 auch noch das Denken abnehmen moechten und die Optimierungen gleich mal selbst einschicken – auf das 1&1 das direkt nach Umsetzung in Vertragserhoehungen umsetzen kann o_0

Wirklich grandios ist aber das folgende:
”…aber niemand erwartet das, was ich Ihnen jetzt zeige…”. gemeint war das sicher knuffig und man wollte alte Damenherzen gewinnen – hoeren kann ich folgendes:

1. “mein Gott – kein Kunde eines ISP hat an die Kundenbetreuung des ISP jemals den Wunsch gerichtet, einen Klon eines unnuetzen Proll-Gadgets eines vollkommen abgehobenen Obsthaendlers auf den Markt zu werfen. Schwache Leistung liebe Kunden von 1&1”

2. “All die Ideen, Wuensche und Erwartungen die Sie mir unnoetigerweise laufend mailen muessen leider unbedient bleiben. Wir haben stattdessen all unsern Hirnschmalz investiert, die Optik eines Snobspielzeugs nachzuempfinden und ein zerbrechliches Ein-Seiten-Buch herzustellen. Alle unsere chinesischen 1€/Tag-Arbeiter muessen derzeit Hochglanztouchpads zusammenfalten – wir haben zur Finanzierung auf grade einmal 50% aller Stromphasen in den Rechenzentren verzichten muessen – die Ausfallzeiten beim Kerngeschaeft werden sich also grade einmal verdoppeln. Aber keine Sorge – das bekommen mein Team und ich eh nie zu hoeren, dafuer gibt’s ja den First Level – also werde ich Ihnen hier im Fernsehen auch nie davon vorjammern.”

Um das abzurunden ergibt sich fuer mein Verstaendnis leider ueberhaupt gar kein Zusammenhang aus den Mails der Kunden (0:00 bis 0:07) und einem bestenfalls als Schwanzverlaengerung und anschliessend als Untersetzer fuer den Fussballabend mit den Kumpels nuetzlichen Angebergadgets. Ich verstehe grundsaetzlich durchaus, dass 1&1 sein Portfolio erweitert, ich verstehe sogar, dass sie das mit dem einigermassen sympathischen und einigermassen populaeren Gesicht aus der “Asche-auf-unser-Haupt”-Kampagne machen – aber wieso beginnt die Werbung mit Kundenmails? Zum Wiedererkennen? “Ach, das is doch der, der…der Dings, der da schon vor einiger Zeit…” – ja, bis man hier is, sind die 7 Sekunden um, und der glaenzende Taschenrechnerersatz rollt ins Bild. Koennte sich ein Fuchs in der Werbeagentur durchaus so ausgedacht haben. Aber is dennoch sinnlos bis grenzwertig schwachsinnig. Zumal das Geraet technisch ein Krueppel ist, wie im Internet mit minimalster Recherche muehelos nachzulesen ist. Vom tatsaelichen Nutzen ganz zu schweigen – aber die Frage stellt sich ja nicht, Tablet-PC braucht man jetzt und gut ist…

Ach und ihr Mitlesenden Wissenden: Mein Tablet ist nebenbei noch ’n voll funktionstuechtiger PC und aelter als dieser Hype – der faellt nich in die Kategorie “beautiful & useless” ;P

aufgelesen & aufgeschrieben

Veröffentlicht in spread the word am 13. Juni 2010 von sph1nxxx

[...], wo ich mich nicht ständig verstecken, verteidigen muss. Es schien, als muesste ich nur noch meinen Lebensunterhalt verdienen und Zeit haben fuer meine Freunde [...]

~~ Max ~~

Und wieder verarscht worden…

Veröffentlicht in ... & geaergert, Vom Leben gelernt... am 11. Juni 2010 von sph1nxxx

Am Mittwoch rufe ich bei der Post an, mit dem unguten Gefuehl im Nacken, mein beauftragter, bestaetigter und natuerlich auch vorab bezahlter Nachsendeauftrag wird nicht vernuenftig ausgefuehrt.

“Wie kommen Sie denn darauf” blitzt es dem geneigten Leser in den Kopf – so auch meinem Kundenbetreuer bei der Post.
Ich verweise auf gaenzlich ausbleibende Nachsendepost und auch zwei bekannte Ruecksendungen.
Der Postler schwallt mich voll, erzaehlt mir was davon, dass halt nicht alles nachgesendet wird und beschuldigt die Ebay-Umschlaege, Warensendungen gewesen zu sein und infolgedessen zurueckgeschick worden zu sein.
Soweit so gut – man kann das Gegenteil ja nicht beweisen, also denke ich, im Wespennest gestochert zu haben genuegt meiner Pflicht als Dienstleistungsnehmer.

Zwei (!) Tage spaeter: In meinem Briefkasten liegt ein Welcome-Package der Post. Offenbar sowas wie ein Carepaket, mit Namensschildchen, einem Werbeheft fuer Moebel und diversen Gutscheinen von Moebelhaeusern und Baumaerkten. Als Ueberschrift waehlt man “Herzlich willkommen im neuen Zuhause”.
Is ja mal nett.
Stutzig macht mich natuerlich, dass die ach so dramatisch wichtigen Namensschilder ja zum Einzug haetten wichtig sein koennen – nicht etwa drei Wochen spaeter erst.
Ebenso wichtig ist es fuer einen solchen NSA natuerlich, dass insbesondere in den ersten Tagen Post nachgesandt und nicht zurueckgeschickt wird.
Ich werde das ungute Gefuehl nicht los, dass die Deutsche Post hier massiv geschlampt hat. Aber natuerlich verheimlicht man mir das auch auf Rueckfrage.

Ich kann nur jedem empfehlen: pumpt diesem Scheissladen nicht noch mehr Geld als unbedingt notwendig in den Rachen. Die Post hat noch immer nicht verstanden, dass man fuer kassierte Kohle manchmal auch wirken muss – nich so wie damals, wo man die Kohle in jedem Fall erhalten hat, ob man nun arbeitete oder nicht…

Ich jedenfalls streiche einen weiteren Service von der Liste der Post – Pakete mache ich wegen der Preis- und Garantie-Bedingungen eh schon nicht mehr mit der Post – kuenftig werde ich auch auf die eigentlich wichtigen Nachsendeantraege verzichten. Die sind zwar wichtig – aber wenn sie nicht ausgefuehrt werden… Vielen Dank Deutsche Post, dass ihr meine Kohle fuer nix verbrennt. Sowas nenn ich Dienst am Kunden.